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Entspannte Heimreise

19.8.2025 Ankerbucht - Kolby Kås 26sm

Am Morgen frischt der Wind ordentlich auf, so war es angesagt. Tabaluga zerrt am Anker und will los. Wir auch. Der Plan lautet rund Samsø, also einmal um die Nordspitze herum auf die Westseite der Insel nach Kolby Kås zu segeln. Aber wie es beim Segeln passiert: der nächste Tag ist komplett anders als der vorherige. Es ist kühl, wir haben Gegenwind. Wir müssen das Segel reffen und Tabaluga kommt nicht richtig in Gang. Wir verschenken Höhe und die Laune der Crew ist irgendwie nach den fröhlichen Sommertagen in Langør und dem herrlichen Ambiente gekippt. Vielleicht liegt es auch am Schlafmangel, in der letzten Nacht ging mehrmals der Ankeralarm an. Dabei hat sich vermutlich aber nur die Ankerkette entheddert, die wir bei null Wind runtergelassen hatten.

Shit days happen…. Es geht nichts wirklich schief, aber es läuft auch nichts wirklich rund. Der Hafen in Kolby Kås ist ein alter, mittlerweile ungenutzter Fährhafen ohne den typischen Charme der kleineren dänischen Yachthäfen. Aber wir legen sicher an und verbringen die Nacht in Ruhe an diesem Steg.

Eine handvoll Boote im Hafen sind besetzt, ansonsten ist kein Lebewesen unterwegs. Beim Spaziergang sehen wir ein paar Entenküken, die durch den Zaun in den Nachbargarten geflüchtet sind. Anscheinend war das Gras dort grüner, Mama Ente muss leider auf der anderen Ente des Zauns warten und schnattert aufgeregt vor sich hin. 🦆

Sehenswertes gibt es hier ansonsten wenig, wir sind aber auch noch gesättigt von den Eindrücken der letzten Tage.

Nach uns liegt noch eine große Yacht an. Über 20 Meter lang mit allem Schnick und Schnack, drei Salingen am Mast und Rollbaum und besetzt mit mehreren älteren Herren. Das Schiff heißt “Little Dream”. Ich frage mich, wie sieht dann deren Big Dream aus, wenn der kleine Traum schon (aus unserer Sicht) ziemlich riesig ist.

20.8.2025 Kolby Kås - Juelsminde 23,4sm

Am Morgen gehe ich eine kleine Runde mit Liese laufen, während Bernd sich mit dem Rad zum einkaufen von ein bisschen Samsø Honig begibt. Der Weg an der Küste entlang ist allerdings ein bisschen schwierig zum Laufen, dennoch wunderschön. Daher kehren wir bald um.

Im Hafen versucht die große Yacht abzulegen, was scheinbar nicht so ganz einfach ist, da der Wind sie immer wieder gegen den Steg drückt. Im dritten Versuch kriegen sie es hin und wir haben genug Platz für uns. Wir haben keine Schwierigkeiten abzulegen, setzen die Segel und wenden Kurs Richtung Südwest.

Zur Wahl steht der Horsens Fjord oder Juelsminde. Wir entscheiden uns für das hübsche Örtchen Juelsminde, obwohl wir hier auch schon öfter waren. Vor dem Wind können wir schön Schmetterling fahren, bis auf einmal eine Böe das Großsegel erfasst und wir eine Patenthalse fahren. So etwas soll eigentlich von der Baumbremse verhindert werden, aber anscheinend haben wir das falsche Tauwerk verwendet, so dass die Bremse zwar den Schwung gemindert, aber nicht verhindert hat, dass der Baum rüber kommt. Passiert ist nichts, aber mein Puls ist in etwa bei 180 und mir ist es am liebsten, dass wir jetzt die Segel bergen. Man sollte sein Glück auch nicht zu sehr ausreizen.

Im Hafen finden wir einen schönen Längsseits-Platz, der zwar für Boote über 15m sein soll, aber wenn wir Schlauchi hinten rauslassen, dann haben wir bestimmt auch 15m. Ein Däne hilft beim Anlegen, zieht uns gegen den Wind an den Steg und wir liegen sicher und fest in Juelsminde. Mir ist heute Abend nicht nach Bad in der Ostsee, Lieschen anscheinend auch nicht, aber wir gucken Bernd gerne dabei zu 😳.

21.8.2025 Juelsminde - Fredericia 16,6sm

Beim Ablegen passen wir wie immer gut auf und dennoch bleibt eine Leine hängen. Der nette Däne vom Vortag springt schnell hin und löst sie, alles gut, kann weitergehen!

Es ist kein gutes Sommerwetter vorhergesagt, so dass wir uns dafür entscheiden, nach Fredericia zu fahren. Hier waren wir schon vor einigen Jahren mit der alten Tabaluga, allerdings waren wir nicht glücklich in dem großen Yachthafen, der direkt an der Hauptstraße liegt. Ich sehe auf der Seekarte, dass es aber möglich ist, im alten Stadthafen ein Liegeplatz zu finden. Das wollen wir versuchen, ansonsten fahren wir weiter nach Middelfart. Wir fahren heute vorsichtig im ersten Reff, werden von anderen Booten überholt, aber das macht nichts. Irgendwie sitzt mir die missglückte Halse von gestern noch in den Knochen, da braucht man mal etwas weniger Aufregung zwischendurch. Im Stadthafen finden wir tatsächlich einen schönen Längsseitsplatz und beschließen hier den nächsten Tag abzuwettern. Direkt neben dem alten Hafen scheint der Hotspot für Angler zu sein.

Wir beobachten die riesigen Schlepper, die vor dem Hafen stationiert sind und große Frachtschiffe an das Ölterminal ziehen und schubsen. Am Abend ist es schön und es herrscht absolute Windstille. Aber morgen soll es ordentlich kacheln. Mal schauen, ob der Wetterbericht stimmt?

22.8.2025 Fredericia

Tatsächlich ist der Wetterbericht passend, der Tag startet kalt, ungemütlich und windig. Wir gehen eine Runde auf den Festungswällen laufen, hier sind wunderbare Wege angelegt und auch die Aussicht ist fantastisch. Die Stadt ist schon sehr interessant mit viel Kunst an jeder Ecke!

Nach einem kurzen Stadtbummel machen wir dann aber einfach mal Pause. Immer wieder faszinierend, wie das Wetter hier in der Ostsee von “Karibikfeeling” zu “Herbst im Norden” innerhalb von ein paar Tagen schwanken kann.

23.8.2025 Fredericia - Hejlsminde 16,9sm

Am nächsten Morgen ist das Wetter wieder annehmbar für den entspannten Segler. Wir beobachten noch ein bisschen das Schlepperballet vor der Hafeneinfahrt, die einen Tankfrachter ans Terminal schubsen und machen uns dann auf den Weg weiter Richtung Süden.

Der Weg durch den kleinen Belt ist wie immer wunderschön und uns begegnet sogar eine kleine Robbe! 🦭

Der Wind frischt wieder auf, wir kommen gut voran. Wo wollen wir denn die Nacht verbringen? Es gibt einen kleinen Hafen auf der Westseite des kleinen Belts, den wir noch nicht kennen: Hejlsminde. Auf der Karte sieht es mal wieder so aus, als wäre für die große Tabaluga dort kein Platz, aber wir wollen mal schauen. Langsam tuckern wir in den Hafenbereich, wollen schon wieder drehen, als uns ein anderer Segler zuruft, dass ein großer Platz vor Kopf des Hafens frei sei. Wir können quasi geradeaus in eine freie Box reinfahren. Ob und wie wir hier wieder herauskommen, sehen wir dann morgen… Der Abend beschert uns wunderbares Licht, aber es bleibt merklich kühl. Wir konnten den Sommer leider nicht von Samsø mitbringen.

24.8.2025 Hejlsminde - Dyvig 25sm

Am Morgen herrschen 20kn Wind, wir legen vorsichtig mit zu Hilfenahme aller Leinen ab. Sehr spannend, aber es klappt und wir sind mit uns zufrieden. Wir können mit der Genua vor dem Wind segeln, später nur noch mit der Fock, bei 25 und mehr kn von achtern. Ziel ist dennoch die Dyvig, schön geschützt können wir dort ankern. Wir beobachten noch ein Charterboot, dass mindestens fünf Ankermanöver braucht, bis der Anker hält, aber irgendwann schaffen sie es auch. Wir zum x-ten Mal sehr froh über unseren guten Anker. Nun ist Ruhe, Hunderunde mit Schlauchi, Feierabend!

25.8.2025 Dyvig - Sønderborg 11,2sm

Wir segeln erneut nur mit der Fock, der Wind kommt aus Nordwest. Wir beschließen, noch einen letzten Stopp in Sønderborg einzulegen. Es macht wenig Sinn, mit Wind auf die Nase in die Förde reinzusegeln. Morgen soll der Wind drehen. Also gehen wir noch ein bisschen einkaufen, betrachten die Stadt von oben aus der Panoramaetage des Alsik und besorgen Mitbringsel für die Haus- und Pferdehüter. Schon wieder nähert sich das Ende der Sommerreise mit Macht 🥲.

26.8.2025 Sønderborg - Marina Minde 12,3sm

Nun ist der Wind weg, nur noch leichter Südwind weht uns um die Nase. Wir tuckern langsam nach Hause und legen ganz unspektakulär an. Ich bestehe darauf, noch das Deck zu waschen, was den Skipper ein wenig moppern lässt (er aber im Nachgang zugibt, dass es ganz gut war). Unser Segelmacher kommt noch vorbei und nimmt die Vorsegel für kleinere Reparaturen mit. Wir genießen den letzten Abend an Bord in vollen Zügen und freuen uns auf neue Abenteuer. Irgendwann schaffen wir es nach Anholt. Wirklich!! 😄