Nach all dem Pech mit der Tabaluga steht uns dieses Jahr zum Jahreswechsel der Sinn nach ein wenig Sonne. Die Tabaluga liegt sicher in der Marina Sonwik, wäre also durchaus auch in Ordnung, dort ein paar Tage nach Weihnachten zu verbringen, aber in Flensburg ist es vermutlich kalt und nass…
Kanaren? Mallorca? Bernd hat die Idee mit Portugal, er möchte in Nazare die Riesenwellen sehen! Oh, toll, das ist eine gute Idee, da bin ich dabei. Wir überlegen uns, in den Süden zu fliegen und dann mit dem Mietwagen bis in den Norden nach Porto zu fahren. Ein Camper wäre auch eine Möglichkeit, aber wir sind uns noch unsicher bzgl. der Anbieter und bauen in der Nebensaison auf spontan buchbare Unterkünfte.
27.12.2024 Faro
Gesagt, gebucht, Liese in Unna gelassen, meine liebe Freundin Katja und ihre Tochter Ina bringen uns zum Flughafen nach Düsseldorf und wir steigen voller Vorfreude auf Neues in den Flieger nach Faro. Da es wirklich früh losgeht, sind wir aber auch schon um 10 Uhr in Portugal, übernehmen den Mietwagen und unser erstes Ziel ist natürlich: der Atlantik!! Durchatmen, Füße baden, Entspannung!
Das Hotel hier habe ich vorsorglich vorgebucht und es stellt sich als wirklich schön heraus. Tolle Aussicht, gute Zimmer, herrliches Frühstück inklusive.
Ein Spaziergang durch Faro, am Hafen entlang und durch die Altstadt, im Anschluss ein wunderbares Abendessen perfektionieren den ersten Urlaubstag. Wir entdecken in einem Touri-Laden Taschen aus echtem Kork und ich lese nach, dass Kork ein wichtiger Wirtschaftszweig in Portugal ist, aber in der Krise steckt. Ich will natürlich mehr darüber wissen, deshalb suche ich schon mal nach weiteren Unterkünften, vielleicht finde ich ja eine Unterkunft in den Korkeichenwäldern.
28.12.2024 Algarve
Zunächst haben wir aber einen weiteren Tag im Süden des Landes zur Verfügung und fahren mit dem Mietwagen an der Küste der Algarve entlang. Wir sind auf der Suche nach den Felsenhöhlen an der Steilküste, die man vielleicht auch mit einer Bootsfahrt erreichen kann. Das Glück ist leider nicht auf unserer Seite, es herrscht viel Schwell und Brandung, es wäre viel zu gefährlich, die kleinen Ausflugsboote von Strand aus ins Wasser zu bringen.
So starten wir zu einer kleinen Wanderung entlang der Küste und schauen die Höhlen, die das Meer in den Fels genagt hat, von oben an. Spektakulär ist es allemal: die Farben, die Formen des Felsens, das sich brechende Wasser. Und warm ist es, T-Shirt Wetter kurz nach Weihnachten, einfach nur herrlich!
Auf dem Rückweg müssen wir natürlich noch einen Blick auf einen typischen Yachthafen werfen, man weiß ja nie…
29.12.2024 Berge und Korkeichen
Das Frühstück im Hotel ist wirklich großartig, so dass wir fast ein bisschen traurig sind, dass wir schon weiterfahren. Aber wir wollen ja das Land entdecken, also suchen wir die nächste Unterkunft. Da wir ja ein bisschen mehr über die Korkproduktion erfahren möchten, suche ich nach Unterkünften auf dem Land und entdecke tatsächlich eine Korkplantage, auf der man Übernachtung mit Frühstück buchen kann.
Die Fahrt aus Faro heraus in die Berge ist wunderschön. Uns fallen die ersten geschälten Bäume auf. Wie können die das überleben? Wir werden es erfahren!
Auf der Farm angekommen, sind wir erst unsicher, ob unsere Buchung überhaupt funktioniert hat. Kein Mensch weit und breit, keine anderen Gäste? Irgendwann treffen wir auf einen Angestellten, der ein wenig Englisch kann, der telefoniert dann anscheinend mit seinem Chef. Dieser scheint Bescheid zu wissen und eine junge Frau gibt uns einen Schlüssel und zeigt uns ein super gemütliches Zimmer. Wir genießen ein Anlegerbier auf der Wiese hinter dem Haus und machen uns im Anschluss auf einen Spaziergang über die Farm.
Die Bäume sind mit Zahlen markiert, wir überlegen, welches System dahinter stecken könnte? Die Bäume mit der 4 drauf sehen frisch geschält aus, vielleicht 2024? Und richtig, nach dem Spaziergang treffen wir den Eigentümer der Farm, der uns genau dieses Zahlensystem erklärt. Alle neun Jahre kann so ein Baum erneut geschält werden, also der Baum mit der 4 drauf wird 2033 erneut seinen Kork spenden. Und nein, die Bäume sterben nicht daran, sie haben ein einzigartiges Regenerationssystem, brennen nicht und sie werden über 200 Jahre alt. Sie wurden in Portugal zum Nationalbaum ernannt und es ist verboten, eine gesunde Korkeiche zu fällen.
Kork ist ein wunderbarer Rohstoff, ich bin total verliebt in die weichen und leichten Taschen. Die Hauptnutzung ist aber industrieller Art für Wein- und Sektkorken und zur Dämmung.
30.12.2024 - 1.1.2025 Lissabon
In der Nacht auf der Plantage fallen die Temperaturen tatsächlich unter den Gefrierpunkt, aber die Sonne wärmt die Luft schnell wieder auf. Ein familiäres Frühstück beschließt diesen wunderbaren Übernachtungsplatz.
Wir fahren weiter Richtung Norden mit Ziel Lissabon. Unser Mietwagen macht Mucken, wir möchten in Lissabon kurz zu Hertz fahren und das melden und evtl. tauschen. Ein bezahlbares Hotel finde ich auch und buche uns zwei Nächte in der Hauptstadt. Ich bin gespannt auf die bunte Stadt, vor allem die Altstadt.
Das Auto zu tauschen ist kein Problem, wir machen sicherheitshalber Bilder von der Karosse, um eventuelle Schäden zu dokumentieren. Im Anschluss fahren wir zum Hotel und parken den Wagen auf einem gesicherten Parkplatz, in der Hoffnung, dass über Silvester nichts damit passiert. Letztendlich hätten wir ihn die zwei Tage nicht gebraucht, aber was soll’s wir wollten ja flexibel sein und haben deshalb die Strecke Faro - Porto im Vorfeld gebucht.
Unser erster Spaziergang in die Stadt überfordert uns ein wenig. Ich muss an Paris denken. Bunt, viele Menschen, viel Verkehr. Nach der Nacht in der Einsamkeit des Hinterlandes nun in die Großstadt geworfen zu werden, ähnelt einem kleinen Kulturschock. Daher belassen wir es heute dabei und planen den großen Stadtrundgang für morgen. Silvester…
Wir erlaufen uns gefühlt die ganze Stadt, besonders die Altstadt schlägt uns in ihren Bann. Die traditionellen Fliesen, mit den die Fassaden verziert sind oder Wandgemälde. Pfaue mitten in der Stadt, Leben, Straßenhändler, Sonne, das Meer in der Ferne, einfach nur schön. Wir verzetteln uns nur leider bei unserem Plan, noch einmal mit der alten Tram zu fahren. Der Verkehr wird nämlich nachmittags irgendwann eingestellt und der gesamten untere Altstadtbereich gesperrt, da ein Silvesterkonzert stattfindet.
Mir tun die Füße weh und kurz bin ich etwas out of order. Aber hilft ja nix, zu Fuß geht es also wieder zum Hotel, dort machen wir zwei Stündchen Pause und suchen uns dann einen Aussichtspunkt, um das Silvesterfeuerwerk sehen zu können. In Portugal sind private Feuerwerke zum Glück verboten, ich frage mich, warum wir das in Deutschland nicht hinbekommen?? Wir finden einen Platz zwischen vielen anderen Menschen und stoßen friedlich und glücklich auf das neue Jahr an 🥳.
Am nächsten Morgen fahren wir zum Turm von Belem und dem Denkmal der Seefahrer und besuchen die Christus Statue am anderen Ufer der Tejo Mündung. Die Aussicht ist schon bombastisch!
2.1.2025 Der Tejo, Lusitanos und Santarem
Manche Menschen behaupten ja, ich hab nen Pferdefimmel… Und das Witzige ist: es stimmt! Ich würde ja zu gerne einen Ausritt am Strand auf einem Lusitano machen, aber ich finde keinen Anbieter. Durch eine Bekannte kann ich aber Kontakt zu einer Deutschen, die in Portugal lebt und Trailritte in der Nähe von Santarem anbietet, aufnehmen. Wunderbarer Weise klappt das, ich bekomme die Zusage für einen Ritt. Zwar nicht am Atlantik, aber auf gut ausgebildeten Lusitanos. Und wir können auf der Farm sogar übernachten!
Also machen wir uns am Neujahrstag nach dem Besuch bei Christus auf den Weg am Tejo entlang Richtung Santarem. Wir suchen eine Stelle im Naturschutzgebiet, um ein spazieren zu gehen und sind ein bisschen bestürzt, wie viel Müll dort herumliegt. Eigentlich kam uns Portugal bisher sehr sauber vor, gerade im Naturschutzgebiet haben wir das nicht so erwartet. Schade!
Wir übernachten irgendwo auf dem Weg nach Santarem in einem einfachen, aber sauberes Hotel mit einem ordentlichen Frühstück.
Auf der Quinta dos Pinheiros werden wir am nächsten Tag herzlich begrüßt, die Eigentümer sind selber leider nicht da, aber die Mitarbeiter übertreffen sich auch an Freundlichkeit. Wir beziehen ein wunderschönes Zimmer und schauen danach einem der Bereiter bei der Arbeit mit einem Pferd zu und sind begeistert von der Ruhe und Kompetenz seiner Arbeit. Das gefällt mir wirklich richtig gut. Die Quinta ist top gepflegt, die meisten Pferden stehen auf der Weide, auch die Hengste. Es gibt eine Reithalle, einen Außenplatz und einen großen Working-Equitation-Platz. Hier würde ich tatsächlich gerne mal mehr Zeit verbringen, vielleicht ergibt es sich ja irgendwann mal.
Nachmittags genieße ich einen unfassbar schönen Ausritt auf einem braven, aber nicht abgestumpften Lusitano-Wallach. Er reagiert fein auf Hilfen, es macht sehr viel Spaß. Wir reiten durch einen phantastisch duftenden Eukalyptuswald, aber ich erfahre, dass der Eukalyptus in Portugal ein echtes Problem ist. Er wurde gepflanzt, um schnelle Erträge zu erwirtschaften, aber leider brennt er auch wie Zunder, was die Waldbrände im diesem schönen Land so gefährlich macht. Bernd besucht in der Zwischenzeit ein paar Pferde und Rindviecher und lässt es sich ebenso gut gehen.
Am Abend suchen wir uns eine Tapas-Bar in Santarem, hier werden wir wieder daran erinnert, dass Weihnachten ja noch gar nicht so lange her ist. Alles ist noch festlich geschmückt, aber es sind nicht viele Menschen unterwegs. Zurück auf der Quinta sind alle Tore zu, wir kommen nicht zu unserem Zimmer. Die Hunde laufen frei auf dem Gelände herum, herrje, was nun? Aber ich finde ein Tor, das nur geschlossen, aber nicht abgeschlossen ist und die Hunde haben unseren Duft anscheinend schon verinnerlicht, so dass wir zu unserem Zimmer dürfen 😅.
3.1.2025 Keine Monsterwellen in Nazaré
Nach einem wunderbaren, familiären Frühstück auf der Quinta verabschieden wir uns nochmal herzlich von allen und fahren weiter Richtung Norden. Nun soll Bernd zum Zuge kommen und die gewünschten Monsterwellen von Nazaré bewundern dürfen. Aber leider, leider ist das Wetter “zu gut”. Die Wellen sind heute harmlos, man kann sich aber durchaus vorstellen, wie es aussehen könnte, wenn Wind herrscht. Die Wellen entstehen durch ein unterseeisches Tal, das fast bis zur Küste reicht. Wir erkunden den Strand und schauen vom Leuchtturm auf die Stelle, die so unfassbar wild und gefährlich ist und doch für viele Menschen eine magische Anziehungskraft besitzt. Wir genießen den Sonnenuntergang am Strand und machen uns danach weiter auf in nördliche Richtung.
4.1.2025 Porto, Stadt des Portweins
Unser letzter Stopp heißt Porto, eine wunderschöne Stadt. Wir erkunden sie ebenfalls vom Fluss bis auf den Berg, wohin uns eine Seilbahn bringt. Kunst findet sich an jeder Ecke und ich könnte typische portugiesische Keramik kaufen, bis das Konto leer ist, aber wie heile nach Hause transportieren?? Beim Abendessen muss ich natürlich noch einen Portwein probieren, aber eine ganze Flasche mit nach Hause zu nehmen, ist mir dann doch zu viel.
Nun verlässt uns auch ein wenig das Wetterglück, es fängt an zu nieseln. Die letzte Übernachtung machen wir in einem Hotel direkt am Flughafen, was für den nächsten Morgen gut ist, der Flieger geht schon seeehr früh zurück Richtung Düsseldorf.
Eine wunderbare Reise, ein wunderbares Land und viel zu wenig Zeit zur Erkundung. Jetzt im Winter ohne Massentourismus war es für uns genau richtig. Mal schauen, ob es uns irgendwann auch gelingt, mit Tabaluga hier anzulegen ⛵️!






